Farbfehlsichtigkeit: Arten, Ursachen, Test und Hilfsmittel einfach erklärt
Posted On 12 Oktober 2026 ( 25.3 Minute Read )
Farbfehlsichtigkeit: Alle Formen im Überblick
„Farbenblind“ sagt der Volksmund – medizinisch korrekt ist in den allermeisten Fällen Farbfehlsichtigkeit: Die Farben werden gesehen, aber nicht so unterschieden wie von der Mehrheit. Welche Formen es gibt, wie sie entstehen, wie der Augenarzt sie feststellt und welche Hilfsmittel den Alltag erleichtern, erklärt dieser Ratgeber.
- Farbfehlsichtigkeit = ein Zapfentyp arbeitet verschoben (Anomalie) oder fehlt (Anopie); echte Farbenblindheit (Achromatopsie) ist extrem selten
- 99 % aller Fälle betreffen Rot und Grün; Blau-Gelb-Störungen sind selten und oft erworben
- Meist angeboren und X-chromosomal vererbt – deshalb 8 % der Männer, 0,5 % der Frauen
- Nicht heilbar; bei Rot-Grün-Formen gleichen Farbfilterbrillen (Colordrop ab 159 €) die Wahrnehmung aus
Welche Arten von Farbfehlsichtigkeit gibt es?
Das Farbsehen beruht auf drei Zapfentypen in der Netzhaut: L-Zapfen (Rot, lange Wellenlängen), M-Zapfen (Grün, mittlere) und S-Zapfen (Blau, kurze). Jede Störung lässt sich danach einordnen, welcher Typ betroffen ist und ob er verschoben arbeitet oder ganz fehlt.
| Bezeichnung | Betroffener Zapfen | Art | Häufigkeit (Männer) | Alltagsbezeichnung |
|---|---|---|---|---|
| Deuteranomalie | Grün (M) | verschoben | ca. 5 % | Grünschwäche |
| Protanomalie | Rot (L) | verschoben | ca. 1 % | Rotschwäche |
| Deuteranopie | Grün (M) | fehlt | ca. 1 % | Grünblindheit |
| Protanopie | Rot (L) | fehlt | ca. 1 % | Rotblindheit |
| Tritanomalie / Tritanopie | Blau (S) | verschoben / fehlt | ca. 0,01 % | Blau-Gelb-Schwäche |
| Achromatopsie | alle | fehlen | ca. 0,003 % | echte Farbenblindheit |
Die vier Rot-Grün-Formen machen zusammen über 99 % aller Farbfehlsichtigkeiten aus. Der Unterschied zwischen „-anomalie“ (Schwäche) und „-anopie“ (Blindheit für diesen Zapfen) ist für Hilfsmittel entscheidend: Farbfilterbrillen wirken bei der Schwäche deutlich besser.
Angeboren oder erworben: Woher kommt eine Farbfehlsichtigkeit?
Angeboren (häufig)
Die Gene für Rot- und Grünzapfen liegen auf dem X-Chromosom. Männer haben nur eines – ein verändertes Gen wirkt sich direkt aus. Frauen können es mit dem zweiten X-Chromosom ausgleichen und geben es als Überträgerinnen weiter. Angeborene Formen sind stabil und verändern sich im Leben nicht.
Erworben (seltener)
Erkrankungen von Netzhaut und Sehnerv (Makuladegeneration, Glaukom, Sehnerventzündung), Diabetes, Grauer Star, bestimmte Medikamente (z. B. einige Herz- und Malariamittel) oder Lösungsmittel können das Farbsehen verändern – oft zuerst im Blau-Gelb-Bereich und häufig nur auf einem Auge.
Warnsignal
Eine Farbfehlsichtigkeit, die erst im Erwachsenenalter auftritt, sich verändert oder nur ein Auge betrifft, ist immer ein Grund für den Augenarzt – sie kann Symptom einer behandelbaren Erkrankung sein.
Keine Sehschwäche
Farbfehlsichtigkeit hat nichts mit Kurz- oder Weitsichtigkeit zu tun. Die Sehschärfe ist normal; es geht ausschließlich um die Unterscheidung von Farbtönen.
Farbfehlsichtigkeit testen: Vom Selbsttest zum Anomaloskop
- Ishihara-TafelnZahlen aus farbigen Punkten, die sich nur im Farbton vom Hintergrund unterscheiden. Schnell, günstig, erkennt Rot-Grün-Störungen zuverlässig – als gedrucktes Buch verlässlicher als am Bildschirm. Anleitung im Artikel Rot-Grün-Schwäche.
- Farnsworth-Test (D-15 / 100-Hue)Farbige Kappen müssen in der richtigen Reihenfolge sortiert werden. Erkennt auch Blau-Gelb-Störungen und erworbene Formen.
- AnomaloskopDer Goldstandard beim Augenarzt: Der Patient mischt Rot und Grün, bis es einem vorgegebenen Gelb entspricht. Das Mischverhältnis zeigt Art und Grad der Störung exakt – nötig für Gutachten (Führerschein C/D, Berufe).
- Lanternentest / FarbsignaltestPrüft das Erkennen von Signalfarben bei Bahn, Schifffahrt und Luftfahrt.
Colordrop Farbenblind-Testbuch
Gedruckte Farbtafeln nach dem Ishihara-Prinzip für den Test zu Hause – auf Papier verlässlicher als Bildschirmtests, deren Farben je nach Display verfälscht werden.
Was eine Farbfehlsichtigkeit im Alltag bedeutet
- Schule und Ausbildung: Farbcodierte Arbeitsblätter, Diagramme, Chemie-Indikatoren, Landkarten.
- Beruf: Verbindliche Farbsehprüfungen bei Piloten, Lokführern, Polizei, Bundeswehr, Elektrikern, in Druck und Grafik.
- Führerschein: Pkw und Motorrad unproblematisch; bei Lkw, Bus und Fahrgastbeförderung wird das Farbsehen begutachtet.
- Alltag: Reifegrade von Obst, Fleisch beim Grillen, Kleidung kombinieren, Status-LEDs an Geräten, Ampeln bei Dämmerung.
Gegen die Vererbung hilft nichts, gegen die Folgen einiges: Smartphone-Farbfilter, Farberkennungs-Apps, Muster statt Farben in Diagrammen – und bei Rot-Grün-Formen eine Farbfilterbrille.
Farbfilterbrille: Welche Form profitiert?
Farbfilterbrillen blocken mit einem Schmalbandfilter den Wellenlängenbereich, in dem sich die Signale von Rot- und Grünzapfen überlappen. Bei Deuteranomalie und Protanomalie – den beiden häufigsten Formen – werden Rot und Grün dadurch wieder klar unterscheidbar. Bei Deuteranopie und Protanopie steigt der Kontrast, das Farbsehen bleibt aber unvollständig; bei Blau-Gelb-Störungen und Achromatopsie wirken sie nicht.
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Kleinere, robuste Fassung mit Colordrop-Filtergläsern für Kinder ab dem Grundschulalter – damit Farbaufgaben in Schule und Alltag leichter werden.
Wie der Effekt im Alltag aussieht, welche Modelle wir verglichen haben und was die Brille nicht kann: Brille für Farbenblinde im Test.
Häufige Fragen zur Farbfehlsichtigkeit
Was ist der Unterschied zwischen Farbfehlsichtigkeit und Farbenblindheit?
Bei einer Farbfehlsichtigkeit sind Farben sichtbar, aber schlechter unterscheidbar – ein Zapfentyp arbeitet verschoben oder fehlt. Echte Farbenblindheit (Achromatopsie) bedeutet, dass gar keine Farben gesehen werden; sie ist extrem selten.
Wie häufig ist Farbfehlsichtigkeit?
Etwa 8 % der Männer und 0,5 % der Frauen. Fast alle Fälle sind Rot-Grün-Störungen, allen voran die Grünschwäche (Deuteranomalie).
Kann eine Farbfehlsichtigkeit geheilt werden?
Angeborene Formen nicht. Erworbene Formen bessern sich manchmal, wenn die Grunderkrankung behandelt wird. Farbfilterbrillen gleichen Rot-Grün-Formen während des Tragens aus.
Welcher Arzt stellt eine Farbfehlsichtigkeit fest?
Der Augenarzt – mit Ishihara-Tafeln, Farnsworth-Test und bei Bedarf dem Anomaloskop, das Art und Grad exakt bestimmt.
Gibt es Farbfehlsichtigkeit auch bei Frauen?
Ja, aber selten (ca. 0,5 %), weil Frauen zwei X-Chromosomen haben und das gesunde das veränderte Gen meist ausgleicht. Sie sind häufiger Überträgerinnen.
Hilft eine Farbfilterbrille bei jeder Farbfehlsichtigkeit?
Nein. Sie ist für Rot-Grün-Störungen entwickelt und wirkt bei Rot- und Grünschwäche am besten. Bei Blau-Gelb-Störungen und Achromatopsie bringt sie nichts.
Ist Farbfehlsichtigkeit eine Behinderung?
Im rechtlichen Sinn in der Regel nicht. Sie kann aber die Berufswahl einschränken und wird bei bestimmten Eignungsprüfungen berücksichtigt.
Fazit: Genau hinsehen, welche Form vorliegt
Farbfehlsichtigkeit ist fast immer eine Rot-Grün-Störung, angeboren, harmlos und nicht heilbar. Entscheidend für Hilfsmittel ist die genaue Form: Bei Rot- und Grünschwäche machen Farbfilterbrillen wie die Colordrop „Berlin“ (159 €) oder der Clip-on für Brillenträger einen deutlichen Unterschied. Tritt eine Farbstörung erst später im Leben auf, gehört sie augenärztlich abgeklärt.
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